Britta Roth · Und dann fortzugehen

Der Titel des Buches entstammt diesem Gedicht von Rainer Maria Rilke.

Buchcover: Aruna Asaf Ali und die Autorin, beide im Sari, auf einer Terrasse.
Auf dem Umschlag: Aruna Asaf Ali (1906–1996) und die Autorin.
Foto: Archiv der Autorin

Der Auszug des verlorenen Sohnes

Nun fortzugehn von alledem Verworrnen,
dass unser ist und uns doch nicht gehört,
dass, wie das Wasser in den alten Bornen,
uns zitternd spiegelt und das Bild zerstört;
von allem diesen, dass sich wie mit Dornen
noch einmal an uns anhängt – fortzugehn
und Das und Den, die man schon nicht mehr
sah (so täglich waren sie und so gewöhnlich),
auf einmal anzuschauen: sanft, versöhnlich
und wie an einem Anfang und von nah;
und ahnend einzusehn, wie unpersönlich,
wie über alle hin das Leid geschah,
von dem die Kindheit voll war bis zum Rand -:

Und dann doch fortzugehen, Hand aus Hand,
als ob man ein Geheiltes neu zerrisse,
und fortzugehn: wohin? Ins Ungewisse,
weit in ein unverwandtes warmes Land,
dass hinter allem Handeln wie Kulisse
gleichgültig sein wird: Garten oder Wand;
und fortzugehn: warum?
Aus Drang, aus Artung, aus Ungeduld,
aus dunkler Erwartung,
aus Unverständlichkeit und Unverstand:
Dies alles auf sich nehmen und vergebens
vielleicht Gehaltnes fallen lassen, …
Ist das der Eingang eines neuen Lebens?

Rainer Maria Rilke: Neue Gedichte, 1. Auflage, 1907

Teil I

Weichenstellung

Suche nach Geborgenheit und Glück

Gemälde eines Frachtschiffs auf grauer See, in goldenem Rahmen.
Originalgemälde der Autorin

Auf der MS Neubrandenburg verlasse ich 1971 die DDR. Damit beginnt meine Geschichte. Von Kindheit und Jugend, vom Erwachsenwerden, von Geborgenheit und Enge, davon erzähle ich im ersten Teil.

Kapitel

  1. Ich bin dann mal weg Leseprobe
  2. Völker hört die Signale
  3. Ich bin klein, mein Herz ist rein
  4. Jesus oder Thälmann
  5. Am Brunnen vor dem Tore
  6. Kindheitselend
  7. Vier Wochen Glückseligkeit
  8. Eins hin, eins im Sinn
  9. Schaut auf diese Stadt
  10. Von Gina Lollobrigida zu Twiggy
  11. Wer geht mit wem – und wer mit mir?
  12. Roll over Beethoven
  13. Nur für ein Jahr
  14. Die Inseln über dem Wind
  15. So fängt es immer an
  16. Alte Nazis und großartige Mütter
  17. Heirat trotz Hindernissen
  18. Vom Regen in die Traufe?

Teil II

Zwischenstopp

Vom Traum zum Albtraum

Das India Gate in Neu-Delhi im Abendlicht, davor eine Menschenmenge.
India Gate · Neu-Delhi
Foto: A. Savin, Wikimedia Commons

Oktober 1971: Indien – ein Leben zwischen nie gekanntem Luxus und fremdem Alltag. Doch der Traum währt nicht lange – und ich muss eine Entscheidung treffen.

Kapitel

  1. Namasté Memsahib Leseprobe
  2. Wer ermordete wen und warum
  3. Kuhabdrücke auf unseren Laken
  4. Streit und Krieg
  5. Memsahib, paisa dedo
  6. Alltagsleben – Luxusleben
  7. Bhara Memsahib, shota Memsahib
  8. Defence Colony und ein Maharadscha
  9. Spieglein, Spieglein an der Wand
  10. Dunkle Wolken ziehen auf
  11. Das Ende eines Märchens
  12. Spannend bis zum Schluss

Teil III

Spurwechsel

Mit Handgepäck in den Westen

Eine Boeing 707 der Air India im Landeanflug vor blauem Himmel.
Air India Boeing 707 im Landeanflug · Foto: Steve Fitzgerald, Wikimedia Commons, Lizenz GFDL 1.2

Mit 200 $ beginnt mein neues Leben in Westdeutschland.

Kapitel

  • Alles auf Anfang Leseprobe
  • Ich will nicht nach Hawaii
  • Karl Marx, Väterchen Stalin, Alice Schwarzer
  • Die Toskana liegt in Österreich
  • Wer zweimal mit demselben pennt
  • Ladys and Gentlemen, Go Home!
  • Beginnt hier das Glück?
  • Kunst, Klamauk, Katastrophen, zwei Wenden
  • Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben
  • Politik geht, Verwaltung steht
  • Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt
  • Basisdemokratie? Grüne Chaoten?
  • Lehrjahre auf der Couch
  • Direktkandidatin, Farbbeutel, stürzende Türme, Jazz
  • Der Vorhang muss hoch
  • Der fliegende Holländer
  • Audrey, das Monster
  • Also sprach Zarathustra
  • Wer bügelt hier die Saris?
  • Macht’s gut, meine Lieben
  • Endstation?